Samstag, Juni 21, 2008

frei nach Hape

... ich bin dann mal weg ...

Samstag, Juni 07, 2008

frei nach Hesse

Es ist nicht eine blinde Macht von außen, deren Spielball wir sind, sondern es ist die Summe der Gaben, Schwächen und anderen Erbschaften, die ein Mensch mitgebracht hat. Ziel eines sinnvollen Lebens ist, den Ruf dieser inneren Stimme zu hören und ihm möglichst zu folgen. Der Weg wäre also: sich selbst erkennen, aber nicht über sich richten und sich ändern wollen, sondern das Leben möglichst der Gestalt anzunähern, die als Ahnung in uns vorgezeichnet ist.

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In sich innen trägt man alles, worauf es ankommt, von außen kann niemand einem helfen. Mit sich selbst nicht im Krieg liegen, mit sich selbst in Liebe und Vertrauen leben - dann kann man alles. Dann kann man nicht nur seiltanzen, dann kann man fliegen.

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Es gilt nicht, die Wand wegzuschaffen, sondern die Tür zu finden.

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Wer stärker individualisiert ist, muß erkennen, daß das Leben ein Kampf zwischen Opfer und Trotz, zwischen Anerkennung der Gemeinschaft und Rettung der Persönlichkeit ist.

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Vielleicht ist jedem Menschen wie einem geschleuderten Ball seine Wurfbahn vorgezeichnet, und er folgt einer längst bestimmten Linie, während er das Schicksal zu zwingen oder zu hänseln meint. Jedenfalls aber ruht das "Schicksal" in uns und nicht außer uns, und damit bekommt die Oberfläche des Lebens, das sichtbare Geschehen, eine gewisse Unwichtigkeit. Was man gewöhnlich schwer nimmt und gar tragisch nennt, wird dann oft zur Bagatelle. Und dieselben Leute, die vor dem Anschein des Tragischen in die Knie sinken, leiden und gehen unter an Dingen, die sie nie beachtet haben.

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Leute mit Mut und Charakter sind den anderen Leuten immer sehr unheimlich.

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Wessen Persönlichkeit sich schwer und kämpfend von seinen Herkünften losgelöst hat, der neigt nicht dazu, seine teuer erkaufte Freiheit und Verantwortlichkeit an irgendein Schema und Programm, eine Schule, eine Richtung, eine Clique hinzugeben.

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Ein anständiger Mensch tut keinen Schritt, ohne Feinde zu kriegen.

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Die Dinge, die wir sehen, sind dieselben Dinge, die in uns sind. Es gibt keine Wirklichkeit als die, die wir in uns haben. Darum leben die meisten Menschen so unwirklich, weil sie die Bilder außerhalb für das Wirkliche halten und ihre eigene Welt in sich gar nicht zu Worte kommen lassen. Man kann glücklich dabei sein. Aber wenn man einmal das andere weiß, dann hat man die Wahl nicht mehr, den Weg der meisten zu gehen.

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Das ist Magie: Außen und Innen vertauschen, nicht aus Zwang, nicht leidend, sondern frei und wollend. Rufe Vergangenheit, rufe Zukunft herbei: beide sind in dir! Du bist heute der Sklave deines Inneren gewesen. Lerne sein Herr sein.

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Wir handeln nicht aus irgendwelchen abstrakten Einsichten und Überlegungen heraus, sondern tun im Grunde alles Schritte unseres Lebens nur aus dem Urgrund unseres Wesens, aus unserm Temperament unserer Rasse, aus unbewußten Antrieben heraus. Dazu suchen wir dann die Weltanschauung, die dazu paßt.

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Die Welt ist außerhalb der Irrenhäuser nicht minder drollig als drinnen.

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Ich weiß von Geistern gar nichts, ich lebe in meinen Träumen. Die anderen Leute leben auch in Träumen, aber nicht in ihren eigenen, das ist der Unterschied.

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Auch ohne bis zu einer rationalen Deutung vorzudringen, kann man aus seinen Träumen manchen Wink, manchen Antrieb und manche Warnung bekommen. Es bedeutet schon viel, wenn man überhaupt auf ihre Stimme hört und etwas von der Magie mit in das Tagesleben nimmt.


(Alles aus: Hermann Hesse, "Der innere Kompass")